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Elegie



Die Elegie hat ihre Wurzeln im antiken Griechenland und war ursprünglich rein formal durch das Distichon gekennzeichnet. Ein Distichon ist eine zweizeilige Strophenform, bestehend aus einem Hexameter und einem kürzeren Pentameter.

Beispiel für ein Distichon



Friedrich Schiller verdeutlichte den Aufbau des Distichons in seinem gleichnamigen Kurzgedicht, indem er den Rhythmus bildhaft beschrieb:

„Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.“



Dieses Beispiel zeigt die typische Dynamik:

  • Hexameter (1. Zeile): Wirkt durch seine Struktur aufstrebend und kraftvoll.
  • Pentameter (2. Zeile): Schließt die Bewegung sanft und harmonisch ab.


Form und Wirkung

Friedrich Schiller beschrieb die Dynamik dieser Versform sehr bildhaft: Während der Hexameter wie ein Springquell kraftvoll aufsteigt, sinkt der Pentameter melodisch und sanft wieder herab. In der Antike wurden diese Gedichte meist von Flötenspiel begleitet.

Inhaltlicher Wandel

Ursprünglich deckten Elegien ein breites Spektrum ab – von Kriegsliedern bis hin zu Liebesdichtung. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Bedeutung jedoch hin zu einer spezifischen Stimmung. Besonders seit der römischen Dichtung (z. B. Ovid) und der deutschen Klassik (Goethe, Schiller) steht die Elegie für:

  • Eine wehmütige oder melancholische Grundhaltung.
  • Die lyrische Verarbeitung von Verlust, Tod oder Trennung.
  • Eine resignative Sehnsucht nach Vergangenem oder Idealem.


Die moderne Elegie

In der modernen Literatur (etwa bei Rilke oder Benn) ist die strenge Bindung an das antike Versmaß (Distichon) weitgehend verloren gegangen. Was geblieben ist, ist der charakteristische Tonfall: Die Elegie wird heute allgemein als ein klagendes, sehnsuchtsvolles Gefühlsgedicht verstanden, das eine nachdenkliche Atmosphäre vermittelt.

elegie.1767427090.txt.gz · Zuletzt geändert: von marfel